Kulturkantine Ludwigsburg

Identität, die durch den Magen geht

Das Kulturzentrum Ludwigsburg, im Herzen der gleichnamigen Barockstadt gelegen, versteht sich seit seiner Generalsanierung zur Jahrtausendwende als Lern-, Kommunikations- und Kulturort und beherbergt eine Vielzahl an kulturellen Einrichtungen. Nun wurde das Stuttgarter Architekturbüro SCOPE damit beauftragt, die städtische Mitarbeiterkantine zu erneuern.

In allen Kulturen und seit Tausenden von Jahren finden menschliche Begegnungen immer wieder an einem zentralen Ort statt. Einem Ort, der nicht nur der Nahrungsaufnahme dient, sondern auch der Zusammenkunft und der Kommunikation. Beim Umbau der städtischen Mitarbeiterkantine gelang es den Innenarchitekten von SCOPE, dieses soziale Phänomen architektonisch zum Ausdruck zu bringen: Von ortsbestimmenden Parametern und den Ergebnissen des Rückbaus inspiriert, entstand auf 300 Quadratmetern eine Art veredelter Rohbau, der künftig als identitätsstiftender Treffpunkt für die Mitarbeiter der Stadt dient. 

Rund 130 Plätze verteilen sich auf diverse Sitz- und Steharrangements und forcieren so unterschiedliche Kommunikationssituationen. Das Mittelschiff mit seiner langen Tafel lädt zum (informellen) Austausch ein, während in den nach außen gerichteten Stehbereichen jene Platz finden, die schon auf halbem Weg in den nächsten Termin sind und nur kurz pausieren. Der Sitzwagon zoniert den Raum zwischen Speiseausgabe und Mittelschiff und lädt in drei Abteilen zu einem privateren Zusammenkommen ein. Der Blick wandert hier zur Rückwand, welche in grafischer Übersetzung die Silhouetten markanter Bauwerke, wie Schloss, Obelisk und die Friedenskirche, zeigen.

Projektdaten

Standort
Wilhelmstraße 9/1,
71638 Ludwigsburg
Germany
Auftraggeber
Stadt Ludwigsburg
Planungsbeginn
01/2017
Fertigstellung
04/2019
Fläche
300 m2
Planung

SCOPE Architekten GmbH

Team
Oliver Kettenhofen, Mike Herud
Kathrin Lewald, Anna Mergenthaler
Planungspartner

Gesc Geyer + Schulze

Gastronomieplanung Klumpp

IB Schwarz

IB Appel

IB Hildenbrand

GN Bauphysik

Fotos
Zooey Braun
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Im Cafébereich sinkt man in gemütliche Schalensessel und trifft sich mit Kollegen am großen Cafétisch. Die 4,20m lange Tafel wurde aus Kastanienholz gefertigt und erinnert, wie auch die anderen Tische, an die Stadtfrucht Ludwigsburgs, welche bereits im 18. Jahrhundert, dank der herzoglichen Alleen, zu ihrer historischen Bedeutung fand.

Die gradlinige Architektur der Speiseausgabe ermöglicht eine geordnete Abwicklung der Prozesse und vermittelt auch in hektischen Phasen einen aufgeräumten Eindruck. Gekocht wird hier frisch und regional. Neben zwei klassischen Gerichten, können die Gäste auch zwischen Front-Cooking und Salatbar wählen.

Unter dem in die Jahre gekommenen Linoleum versteckte sich ein gut erhaltener Estrich, welchem die Innenarchitekten mit neuem Schliff ein zweites Leben einhauchten. Die Freilegung der Decke ermöglichte ebenfalls einen Blick auf alte Strukturen. Bohrungen, Zeichnungen und Installationen erfuhren über eine akzentuierte Lichtgestaltung neue Aufmerksamkeit.

Neben Kastanienholz spielen Materialien wie schwarz pulverbeschichteter Stahl und Mosaikfliesen weitere Hauptrollen in der Gestaltung. Unterstützt wird der industrielle Charakter auch über das gewählte Mobiliar, die sichtbare Leitungsführung und die Pendelleuchten.

Das Farbzusammenspiel von abgestuften Grautönen bis Schwarz gibt dem Raum einen reduzierten Charakter, für Kontrast sorgen frische Akzente in Gelb und Türkis. Das Gelb verlinkt hier wieder auf die Stadtfarbe Ludwigsburg und spielt auch im Konzept des gesamten Kulturzentrums eine übergeordnete Rolle.

Als Gegenmaßnahme zur typischen Geräuschkulisse einer Kantine wurden Akustikpanele aus Vlies in unterschiedlichen Stärken, Formen und Farben unter der Decke abgehängt.