Behind the SCOPE

Mit Herz und Hirn

Mit Herz und Hirn
REDAKTION Was habt ihr heute Morgen als erstes gemacht?
  
MIKE HERUD
& Oliver Kettenhofen Die Kleinen in den Kindergarten gebracht.
 
RED Erzählt uns von eurem Weg in die Selbstständigkeit.
 
MH & OK Es war immer ein Traum uns selbstständig zu machen und unser eigenes Büro zu gründen, das einen ganzheitlichen Gestaltungsansatz verfolgt und Architektur und Innenarchitektur sehr stark aus der Nutzerperspektive und den funktionalen Abhängigkeiten zu gestalten. Der Markt ist aber überfüllt - deshalb hat uns zunächst die Frage beschäftigt, ob wir uns spezialisieren und eine Nische besetzen wollen.
 
RED Und ihr habt euch für die Nische entschieden?
 
MH & OK
Wir haben schon immer die Arbeitsstrukturen - zunächst innerhalb unserer eigenen Branche - analysiert und reflektiert. Daraus entstand die Idee, dieses Interesse auszuweiten und uns mit den zukünftigen Arbeitswelten unterschiedlichster Branchen zu beschäftigen. Und so waren wir tatsächlich eines der ersten Büros in Deutschland, das Architektur und Innenarchitekturkonzepte für innovative Arbeitswelten entworfen hat.
 
RED Wie würdet ihr die Gestaltung von SCOPE beschreiben?
 
MH & OK SCOPE ist ein fein abgestimmter Mix aus funktionaler und ästhetischer Gestaltung – wir definieren uns durch Designs, die etwas Sinnbildendes haben. Uns ist es wichtig, dass unsere Gestaltung formgebend und identitätsstiftend ist.
 
RED Welche Aspekte eurer Person zeichnen sich in eurem Label ab?
 
MH & OK SCOPE erzählt die Geschichte zweier Kommilitonen, die mit den Erfahrungen ihres ersten Jobs beschlossen haben, gemeinsam aus den starren Strukturen auszubrechen um neue Wege zu gehen.
 
RED Was heißt das: neue Wege gehen?
 
MH & OK Viele meinen, dass es bei der Innenraumgestaltung von Arbeitsplätzen nur um den Look geht. Wir sehen das anders. Es ist nicht nur etwas Visuelles, es geht nicht nur darum, stylische Interiors zu gestalten. Es ist ein Denkprozess, der damit beginnt, die menschliche Erfahrung an den Anfang eines Entwurfs zu stellen. Dafür ist Empathie unglaublich wichtig. Wir möchten uns in Bedürfnisse hineindenken, um dem Menschen, der viel Zeit am Arbeitsplatz verbringt, ein Gefühl von Zufriedenheit, Identifikation und Selbstverwirklichung zu geben.
 
Diese Einstellung leben wir aber nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Wir ziehen Anfang März in unser neues Büro und vor der Planung gab es in unserem Büro eine offene Diskussion darüber was uns an einer neuen Fläche besonders wichtig ist. Angefangen bei der Standortwahl. Wir versuchen, keine Hierarchien aufzubauen oder uns auf vordefinierte Stellen zu fixieren, sondern regen unsere Kollegen dazu an, ihre persönlichen Stärken und Interessen miteinzubringen. Holacracy ist vielleicht etwas zu weit gegriffen, aber wir versuchen den Spirit unseres ehemaligen 3-Mann-Büros auch noch heute zu erhalten.
 
RED Habt ihr ein Beispiel?
 
MH & OK Klar. Andreas, einer unserer Architekten ist zum Beispiel auch Teil des PR-Teams, einfach weil er Spaß an der Öffentlichkeitsarbeit und der damit verbundenen Abwechslung hat. Kathrin, unsere Innenarchitektin ist gleichzeitig Eventmanagerin, organisiert Events, Ausflüge, Mottto-Tage und hat Freude daran, unser Büroleben und den Teamspirit mitzugestalten.
 
RED Und da bringt sich jeder mit ein?
 
MH & OK Offen gestanden achten wir schon in den ersten Kennenlerngesprächen darauf, dass ein potenzieller neue Mitarbeiter das gleiche Ziel vor Augen hat wie wir. Den gleichen Weg gehen zu wollen, zahlt sich einfach aus. Unsere Leidenschaft liegt darin, die Arbeitswelt von morgen mitzugestalten und neue Trends zu setzen. Menschen, die diese Leidenschaft teilen, bringen unser Büro mit voran.
 
RED Denkt ihr in Trends?
 
MH & OK Ja und nein. Zuallererst denken wir an die individuellen Bedürfnisse und speziellen Ansprüche der Menschen, die den von uns gestalteten Raum später nutzen werden. Dadurch befreien wir unser Design von Beliebigkeit. Aber natürlich möchten wir unseren Kunden Lösungen bieten, die wiederum meist eine neue Konzeption, oder einen neuartigen Entwurf erfordern.
Ein Beispiel: Multispaceoffices, agiles Arbeiten, Kozentration versus Kommunikation usw. sind heutzutage Standard und bieten weder eine Differenzierung noch eine Identifikationsmöglichkeit. Spannend wird es erst wenn man weiterdenkt und das Spezifische eines Ortes, einer Arbeitskultur, oder Methodik herausarbeitet. Beim Bau des Innovation Centers in Potsdam sind wir deshalb über die Architektur und Innenarchitektur hinausgegangen und haben aus diesem Projekt eine Whitboardlinie entwickelt.
 
RED Erzählt ihr uns dazu etwas mehr?
 
MH & OK Die Fläche verlangte Arbeitsplätze, die die Kreativität unterstützen und gemeinsames Arbeiten als auch konzentriertes Denken an einem Ort zulassen. Auf Grundlage dieser Anforderungen entwickelten wir ein flexibles Whiteboard, das in ein mobiles Wandsystem integriert werden kann und dadurch die Arbeitsfläche entsprechend der Arbeitsanforderung wirkungsvoll zoniert. Gleichzeitig kann es mit verschiedenen Materialien kaschiert und sogar mit akustisch wirksamen Stoffen versehen werden, wodurch wir nicht nur Privatsphäre, sondern eine angenehme Gesamtatmosphäre ermöglichen konnten.
 
RED Heute scheint die Gestaltung von Arbeitswelten sehr eklektisch, nach dem Motto „alles ist erlaubt“. Glaubt ihr, dass die Branche sich grundlegend verändert hat, seitdem ihr angefangen habt?
 
MH & OK Alles ist in stetiger Veränderung und natürlich auch unsere Branche, ja. Unsere Kunden erhoffen sich von Modernisierungen oder Neubauten zunächst mal eine Veränderung ihrer Situation hin zu einer innovativen Arbeitsfläche. Der Workflow soll verbessert, die Effizienz gesteigert werden. Dabei sehen sich Gestalter aber immer öfter mit Faktoren bei der Konzeption von Arbeitsumgebungen konfrontiert, die sich entgegenlaufen. Beispielsweise müssen oftmals hausinterne Standardisierungen eingehalten werden, dennoch soll die neue Arbeitsfläche individuell sein. Diskretion soll erhalten bleiben, dennoch wird Transparenz großgeschrieben. Digitalisierung ist der Treiber, haptisch erlebbare Räume aber die Notwendigkeit...
 
RED Das hört sich widersprüchlich an.
 
MH & OK Mit all diesen Widersprüchen müssen wir aber umgehen und sie bereits in der Planung mitdenken können. Neuer Arbeitsraum muss Aspekte der Veränderung integrieren und die Identität eines Unternehmens nicht nur widerspiegeln, sondern maßgeblich an ihrer Konstitution beteiligt sein. Nach innen, wie auch außen. Wenn also die Arbeitsumgebung eine performative Funktion erfüllt und die Identität und die Philosophie des Unternehmens verdeutlicht, dann ist die Gestaltung gelungen.
 
RED Wie entscheiden sich eure aktuellen Entwürfe von früheren Projekten?
 
MH & OK Schwer zu beantworten, weil kein Entwurf einem anderen gleicht. Allerdings unterscheidet sich unsere Arbeitsweise heute deutlich zu den Anfängen. Unser zentrales Thema ist heute die Gestaltung von Kommunikation. Es geht immer darum wie Architektur und Raum mit Umwelt und Mensch in Kommunikation tritt aber auch darum welchen Raum uns für die unterschiedlichsten Arten der Kommunikation gegeben wird. Durch die Digitalisierung und unseren kulturellen Wandel hat sich die Funktion des Büros gewandelt. Wir sehen die Orte unserer Arbeit als Orte der sozialen Interaktion. Früher haben wir mehr aus formal ästhetischen Aspekten entworfen. Heute aus sozialen.
 
RED Wo sucht ihr Inspiration?
 
MH & OK Was uns am meisten fasziniert ist die Wirkungsweise von Räumen auf das Verhalten von Menschen, die sie nutzen. Das ist in Arbeitsumgebungen nicht anders. Und da das Verhalten von Mitarbeitern wiederum die Unternehmenskultur sehr stark prägt, suchen und finden wir unsere Inspiration in den unterschiedlichsten Situationen und Raumgestaltungen. Die Inspirationsquellen sind dabei unerschöpflich.
 
RED Es geht also immer um die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Raum?
 
MH & OK Genau. Und um die Frage, wie wir Arbeitsumgebungen so gestalten können, dass sie zu den Menschen, die sich dort aufhalten, und zu ihren Bedürfnissen passen.
 
RED Wo lasst ihr euren Feierabend am liebsten ausklingen?
 
MH & OK Mit Kollegen in der Café-Bar Condesa am Marienplatz.